Die Stille lockt mich seit gut zwei Monaten. Stille bedeutet für mich, dass ich bei mir bin, spüre, was mich bewegt und wohin es mich zieht (oder nicht zieht) und dass ich dem folge. Das ist leicht, denn diese Lebendigkeit in mir ist überzeugend. Und manchmal ist es nicht leicht, wenn ich unangenehme Dinge tue, wie zB jemanden zurückweise, weil mir etwas zu viel geworden ist.
Stille bedeutet, dass ich mich nicht mehr „so nebenbei“ berieseln lasse – sei es von Radio, Fernsehen oder Internet.
Stille bedeutet, dass es stille Zeiten im Tag gibt, in denen ich wirklich still werde und meditiere.
Stille bedeutet, dass ich so präsent wie möglich bin.
Stille ist eine Frage der Übung.
Stille ist auch beängstigend. Denn was kommt, wenn nichts kommt? Für kurze Zeiten ist das kein Problem, eher eine Lust. Aber für einen längeren Zeitraum habe ich mir das schwer vorstellen können. Es hat sich ein Rhythmus entwickelt, ich schlafe mehr, wodurch ich wacher bin. Aus mir kommt mehr. Mehr Ideen, mehr Gedanken, mehr Ruhe. Ich konzentriere mich auf meine wesentlichen Rollen im Leben, überlege mir, wie ich mein Muttersein gestalten will, spüre meiner Beziehung nach, meinen Freundschaften und wohin es mich beruflich zieht… Ich habe Lust, mich dem Leben anzuvertrauen und es zu gestalten. Ich habe auch Lust zu schlafen und mich auszuruhen, Spaß zu haben, mich zu unterhalten… Aber ich habe keine Lust mehr, herumzuhängen oder Zeit auf eine sinnlose Weise zu vertrödeln.
Ausgelöst hat diesen Wandel ein Satz im Johannesevangelium, eigentlich nur ein Teil davon. „(Als Jesus nun erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen,) zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“ (Joh, 6, 15) – „Er allein“ hat mich sehr bewegt und mich in die Stille geführt.