Du Schöpferin des Lebens

als dein Ebenbild hast du uns berufen, in vielfältiger Weise schöpferisch und fruchtbar zu sein.

Als Menschenfrauen sind wir eingebunden in den Zyklus des Sterbens und Neuwerdens.

So bitten wir dich um deinen Segen in allen Zeiten der Veränderung:

Dein Segen umhülle leuchtend unsere Anfänge.

Dein Segen berge behutsam unsere Abschiede.

Amen

Dein Segen lasse wachsen, was wir hervorbringen.

Dein Segen nehme auf, was sterben will.

Amen

Dein Segen begleite zärtlich Menschen, die uns wichtig sind.

Dein Segen berühre tröstend, wenn es gilt, loszulassen.

In dir sind geborgen alle Zeiten unseres Lebens.

Amen.

(Doris Gabriel)

Veröffentlicht in Gebetstexte. 1 Kommentar »

wie ein Baum

Ich wünsche dir, dass du wirst wie ein Baum,

der sich aufrichtet und dem Himmel öffnet,

der in des Geistes Weite Orientierung finden kann.

Ich wünsche dir, dass du wirst wie ein Baum,

der sich dem Jahrezeitenwechsel seines Lebens nicht entzieht,

der blüht und Frucht bringt und auch nach Wintereinsamkeit wieder neue Knospen treibt.

Es segne und begleite dich dabei Gott,

Quelle und Ziel unseres Lebens.

Veröffentlicht in Gebetstexte. Kommentar schreiben »

Ein Gebet

Das Gebet, das ich gleich anhänge, beschäftigt mich zu Zeit sehr, vor allem (noch) der erste Absatz. Wie ich gerade sehe, hatten wir diesen Text schon, ganz am Anfang, als wir den Blog eingerichtet haben. :) Ok, also sag ich noch was ich mir dazu denke, dann gilt das ;) Ich denke darüber nach, wo Gott da war und mich berührt hat, im „Dunkel meiner Vergangenheit“ und ich kann mich an viele Momente erinnern, in denen ich gute Gedanken hatte, die mir Kraft gegeben haben. Das „Ungewisse meiner Zukunft“… Wenn ich diesen tollen Text auf mich wirken lasse, fällt es fast leicht, Vertrauen zu haben, dass ich auch begleitet sein werde, in den Teilen meiner Zukunft, die mir besonders ungewiss erscheinen und damit Angst machen. Sehr gefällt mir ein Gedanke, den ich geschenkt bekommen habe: Gott ist nicht nur eine Art Instanz, die mir hilft immer wieder auf den Weg zu finden, sondern er/sie ist auch mit mir in meinem Tun oder Sein. Wenn ich leide, leidet Gott mit mir, wenn ich glücklich bin, ist Gott mit mir glücklich, wenn ich verwirrt bin, ist Gott mit mir verwirrt. Das gefällt mir. Das macht mir Gott gerade sehr sympathisch. ;)

Vor zwei Wochen habe ich mich damit beschäftigt, wie Gott wohl ist, wenn die Menschen als sein Abbild geschaffen wurden… Welche der Dinge, die Menschen tun oder sind, verweisen auf Gott? Und da bin ich auf das „Ich bin da“ gestoßen. Menschen sind meist nicht so bedingungslos, aber ich glaube, das ist auch nicht notwendig (als Mensch). Wir sind Gott ja nur ähnlich geschaffen und nicht gleich. Wir brauchen also nicht perfekt zu sein. Ich finde es klasse, wenn jemand da ist für mich und ich mag auch gern für andere da sein. Ich finde diese Zusage Gottes großartig.

So und nun das Gebet:

.

In das Dunkel Deiner Vergangenheit

und in das Ungewisse Deiner Zukunft,

in den Segen Deines Helfens

und in das Elend Deiner Ohnmacht

lege ich meine Zusage:

ICH BIN DA!

.

In das Spiel Deiner Gefühle

und in den Ernst Deiner Gedanken,

in den Reichtum Deines Schweigens

und in die Armut Deiner Sprache

lege ich meine Zusage:
ICH BIN DA!

.

In die Fülle Deiner Aufgaben

und in die Leere Deiner Geschäftigkeit,

in die Vielzahl Deiner Fähigkeiten

und in die Grenzen Deiner Begabung

olege ich meine Zusage:
ICH BIN DA!

.

In das Gelingen Deiner Gespräche

und in die Langeweile Deines Betens

in die Freude Deines Erfolges

und in den Schmerz Deines Versagens

lege ich meine Zusage:

ICH BIN DA!

.

In die Enge Deines Alltags

un in die Weite Deiner Träume

in die Schwäche Deines Verstandes

und in die Kräfte Deines Herzens

lege ich meine Zusage:
ICH BIN DA!

(Verfasser unbekannt)

friedlich gestorben

Vor ein paar Wochen habe ich hier das langsame und mühsame Sterben einer Bekannten beklagt, es war schwer, sie so leiden zu sehen und nichts tun zu können.

Sie ist gestern gestorben, friedlich und leicht.

Es ist gut so. Es war schwer, sie in ihrem Leiden zu sehen, und es ist gut, sie erlöst zu wissen. Es war gut, sie zu begleiten, und es war gut, sie in den Tod loslassen zu können.

Ich verabschiede mich von ihr, wir alle, die wir sie gekannt haben, tun das.

Zündet eine Kerze an für sie, bitte, und lasst es mich wissen! Ich freu mich darüber.

Danke sehr!

Möge sie in Frieden ruhen!

Veröffentlicht in Gedankengänge. 3 Kommentare »

Erntedank

Guter Gott, am Anfang unseres Gottesdienstes bringen wir alles vor dich, was uns von der Fülle des Lebens trennt:

- Wir bringen vor dich alles Dunkle, Traurige und was uns Angst macht. Erbarme dich!

- Wir bringen vor dich alles, was brach liegt, unsere ungenutzten Fähigkeiten. Erbarme dich!

- Wir bringen vor dich alles Kleine, Schwache, alles, was verletzlich ist. Erbarme dich!

Gott,

du bist die Quelle unseres Lebens.

Du schenkst uns das Feuer, das uns wärmt in der Kälte und uns Licht gibt im Dunkeln

Du schenkst uns das Wasser, das die Pflanzen sprießen lässt und den Durst stillt.

Du schenkst uns die Luft – Atem des Lebens. Sie durchdringt uns und lässt uns tanzen und singen.

Wir danken dir für die Fülle des Lebens!

Gott, du bist die Quelle allen Lebens. Du schenkst uns, was wir zum Leben brauchen. So bringen wir vor dich unsere Bitten:

- Wir bitten um dein Licht für alle Menschen, die einsam oder krank sind oder die im Streit miteinander leben, deren Leben dunkel und schwer ist. Gott, schenk du ihnen Leben in Fülle!

- Wir bitten um deine Kraft zum Wachsen, wenn wir mutlos sind oder sogar Angst haben oder uns selbst nichts zutrauen. Gott, schenke du uns Leben in Fülle!

- Wir bitten dich um Nahrung für alle, die nicht genug zum Leben haben oder unter der Ausbeutung deiner Schöpfung leben. Gott, schenke du ihnen Leben in Fülle!

- Wir bitten um deine Liebe für unsere Gemeinschaft, damit wir durch dich gestärkt unser Leben und unseren Glauben miteinander teilen. Gott, schenke du uns Leben in Fülle!

Amen

Mk 7, 31-37: ohne Worte

Ich habe schon vor ein paar Wochen über diese Stelle geschrieben, und sie lässt mich gerade nicht los. Ich habe damals geschrieben:

Das geht mir auch oft so: ich kann nicht reden, ich habe keine Worte, ich fühle mich so verloren, dass ich nicht einmal um Hilfe bitten kann. Da tut es mir gut, wenn Gott das versteht und nichts von mir verlangt. Einfach da ist, mich auf die Seite nimmt und heilt. Gott will von mir, dass ich mein Mögliches tue, aber Gott sieht und versteht auch, dass manchmal gar nichts geht. Da ist mir diese Stelle ein Trost: Gott heilt auch, wenn ich nicht einmal darum bitten kann.

So ist es. Ich kann es für mich immer wieder so erleben: Gott kommt mir auch entgegen, wenn ich keine Worte finde. Es ist so schwer zu glauben, dass Gott mich auch sucht, wenn ich mich nicht finden lassen will, dass Menschen nach mir suchen, wenn sie mich vermissen – dass ich nicht total alleine bin. Und dass das, was Gottesvielklang als „zweite innere Stimme“ beschreibt, mich auch dann nicht verlässt, wenn ich sie kaum wahrnehmen kann.

Es tut gut, das zu glauben. So schwer es zu glauben ist, so schwer es auszuhalten ist.

Es tut gut, sich nicht ganz alleine zu fühlen, gerade in Zeiten, in denen ich keine Worte finde!

Zu mir kommen

Momentan ist es sehr dicht. Das Baby Tag und Nacht in einer Phase, deren Ende nicht abzusehen ist, eine Arbeit in der Fertigstellung, was mir viel Kraft verlangt, und ich, die ich versuche das zu bewältigen ohne mich zu lange zu verlieren. Also habe ich mich heute für die Badewanne entschieden und eine Ausgabe der Zeitschrift Ferment mitgenommen. Die Ausgabe, wo es um Kirchenglocken geht (4/2009). Ich liebe Kirchenglocken, weil sie mich oft aus meinen Gedanken reißen und ins Hier und Jetzt zurückholen.

Im Ferment las ich ein Gedichtvon Almut Haneberg, und ein Absatz sprach mich besonders an:

„nimm dir die Freiheit

nur zu atmen

und zu sein

zu spüren

wen du liebst

und was dir wertvoll ist“

Was für eine schöne Einladung! Ich habe meiner zweiten inneren Stimme, über die ich weiter unten geschrieben habe, zugehört, und ein neues inneres Bild ist entstanden von meiner Familie, von den Plätzen, die in meinem Herzen zu besetzen sind, von Freundinnen, alten und neuen, von meiner Liebe nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Tätigkeiten, Dingen, Orten und Tieren.

Die Zeit für mich allein mag sehr knapp sein, ich mag müde sein, manchmal entnervt. Aber ich bin so dankbar dafür. Ich habe ein Daheim, in dem ich aufgehoben bin, ein goldiges Kind, dessen Lachen mein Herz immer wieder öffnet, Menschen, die gerne mit mir zusammen sind und ich mit ihnen. Ich habe Interessen, mein Herz schlägt für etwas. Ich bin reich.

Psalm 18, 5-7

Mich umschlangen Stricke des Todes, Sturzfluten des Unheils überfielen mich.

Stricke der Unterwelt umfingen mich, mir näherten sich Schlingen des Todes.

In meiner Angst rief ich die Lebendige, zu meiner Gottheit schrie ich laut.

Sie hörte in ihrem Tempel meine Stimme, mein Schrei drang an ihr Ohr.

Ja, die kenne ich: die Sturzfluten des Unheils, die Fluten des Verderbens. Dann umfängt mich die Verzweiflung, dann kenne ich mich nicht mehr aus, dann weiß ich keinen Weg mehr. Dann fühlt sich das so an wie Stricke, die mich umfangen, ja, sogar als ob sie mich in den Tod ziehen wollten.

Wenn ich mich so fühle, dann bekomme ich auch Angst. Dann wird mir Angst und Bang.

Leider fällt mir dann oft nicht ein, zu „der Lebendigen“ zu rufen, obwohl ich genau das brauchen würde, wenn ich mich innerlich wie tot fühle. Dann sollte ich zu Gott rufen und an das Leben, an das Lebendige in mir glauben.

Dann fällt es mir oft schwer, genau dieses Lebendige in mir zu suchen.

Aber es geht ja nicht nur darum, zu suchen: laut schreien darf ich. Laut schreien, wie das Kind, wenn es sich fürchtet, das auch keinen Genierer hat. Laut um Hilfe schreien, und dann wissen es alle: die hat ein Problem!

Wenn ich mir vorstelle, ich rufe laut, ich schreie, dann werden sich wahrscheinlich ein paar Menschen in meiner Umgebung wundern, aber die meisten – ich habe nette Leute um mich herum! – würden versuchen, mir zu helfen. Sie werden „meine Stimme hören, mein Schrei wird an ihr Ohr dringen“.

Und dann ist das „die Lebendige“, das Lebensspendende: dass Menschen, die mich mögen, mir in meiner Not zu Hilfe kommen, dass ich wenigstens gehört, gesehen, verstanden werde. Das rettet mich dann aus den „Schlingen des Todes, den Sturzfluten des Unheils, aus den Stricken der Unterwelt.“

Ich schreie laut – und ich werde gehört! Ist das nicht erlösend?

Psalm 18, 4-7

Sei gelobt, ich rufe laut, Lebendige! Befreit werde ich von meinen Feinden.

Mich umschlangen Stricke des Todes, Sturzfluten des Unheils überfielen mich.

Stricke der Unterwelt umfingen mich, mir näherten sich Schlingen des Todes.

In meiner Angst rief ich die Lebendige, zu meiner Gottheit schrie ich laut.

Sie hörte in ihrem Tempel meine Stimme, mein Schrei drang an ihr Ohr.

(Bibel in gerechter Sprache)

Ich rufe: Der Herr sei gepriesen!, / und ich werde vor meinen Feinden gerettet.

Mich umfingen die Fesseln des Todes, / mich erschreckten die Fluten des Verderbens.

Die Bande der Unterwelt umstrickten mich, / über mich fielen die Schlingen des Todes.

In meiner Not rief ich zum Herrn / und schrie zu meinem Gott. Aus seinem Heiligtum hörte er mein Rufen, / mein Hilfeschrei drang an sein Ohr.

(Einheitsübersetzung)

Ich rufe an den HERRN, den Hochgelobten, so werde ich vor meinen Feinden errettet.

Es umfingen mich des Todes Bande, und die Fluten des Verderbens erschreckten mich.

Des Totenreichs Bande umfingen mich, und des Todes Stricke überwältigten mich.

Als mir angst war, rief ich den HERRN an und schrie zu meinem Gott.

(Lutherbibel)

Darüber denke ich gerade nach… wenn Ihr Lust habt, tut es mit mir und teilt Eure Gedanken dazu …!

Veröffentlicht in Lebendiger Brunnen. 2 Kommentare »

Ps 18,30: Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen

Seitdem ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe, hat mich der Satz sehr beschäftigt. Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen. Was sind Mauern? Mauern im Außen, gegen die ich anrenne… Inwieweit hilft mir da Gott? Und Mauern im Innen? Die beschäftigen mich viel mehr.

Da wo ich eingefahren bin in meinem Denken und mich sehr bemühen muss, um freier und weiter zu werden. Oder da wo meine Ängste sind, die mich einengen und die ich nur mit viel Mühe überwinden kann, immer wieder neu überwinden muss. Wenn ich Zeit und Ruhe habe und Innenschau halten kann, mich mit meinen Mauern konfrontiere und Gott wirken lasse, dann bröckelt oft was. Oder es kommt wenigstens für den Moment ein klein wenig Ruhe in das aktuelle Thema.

Manchmal dauert es ganz schön lang, bis ich irgendwas spüre und ich muss ein Thema tagelang da sein lassen. Ich lasse es dann wirklich da sein, während ich meinem Alltag nachgehe. Irgendwann beginnt sich was zu regen und ich kann dem lauschen.

Um „Störstimmen“, also laute, verwirrende, widersprüliche, entnervende „erste Stimmen“ von der wirklichen „inneren zweiten Stimme“ zu unterscheiden sind manchmal Gespräche hilfreich. Oder Gehen, oder beides.

Manchmal frage ich mich, ob alle Menschen innere Schmerzen haben. Nicht aktuelle, sondern solche, die immer da sind. Mal mehr, mal weniger, mal sehr, mal nicht. Um mich zu beruhigen sage ich, dass meine Schmerzen mich zu vielen und vielem geführt haben, die/das ich ohne sie nicht kennengelernt hätte. Und doch frage ich mich, warum genau ich mich so plagen muss (und kenne viele, die sich noch viel mehr plagen müssen).

Mir ist einmal der Begriff „Ich-Gefängnis“ untergekommen, den Teresa von Avila benutzt hat. Ich weiß nicht mehr, was sie damit gemeint hat, aber ich bezeichne als mein Ich-Gefängnis, wenn ich von meinem inneren Schmerz umfasst werde und keinen Ausweg finde. Und dann findet mich doch noch die Stimme, die mir hilft mich zu distanzieren oder wenigstens zu meinem So-Sein zu stehen. Mit meinem Gott kann ich über Mauern springen.

Ob ich wohl meinen Humor hätte, wenn es anders gewesen wäre? Ob ich so sensibel wäre und oft kleinste Töne hören könnte? Ob ich so viel nachgedacht hätte, wie ich es getan habe und tue? Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich mich, obwohl ich mich oft so allein gefühlt habe, immer wieder geführt gefühlt habe. Mit meinem Gott bin ich schon über Mauern gesprungen.