Was es ist

Es ist Unsinn

sagt die Vernunft

 

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist Unglück

sagt die Berechnung

 

Es ist nichts als Schmerz

sagt die Angst

 

Es ist aussichtslos

sagt die Einsicht

 

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

Es ist lächerlich

sagt der Stolz

 

Es ist leichtsinnig

sagt die Vorsicht

 

Es ist unmöglich

sagt die Erfahrung

 

Es ist was es ist

sagt die Liebe

 

(Erich Fried)

der schmerz

alles schmerzt sich einmal durch bis auf den eignen grund
und die angst vergeht
schön die scheune die nach längst vergangnen ernten
leer am wegrand steht

(Jan Skácel)

Weihnachten

Markt und Straßen steh’n verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein steh’n und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph Freiherr von Eichendorff

Veröffentlicht in Entlehnworte. 1 Kommentar »

Kontemplation

Seit dem Frühling lockt mich die Stille, und dabei habe ich dieses Buch entdeckt:

http://www.amazon.de/Kontemplative-Exerzitien-Einf%C3%BChrung-kontemplative-Lebenshaltung/dp/3429015766/ref=sr_1_1?ie=UTF8&qid=1311944815&sr=8-1

Ich gehe davon aus, dass Gott hier ist, in meinem Alltag in der Stadt, in meinem Leben mit Auto, Handy, Internet und Fitnesscenter und dass Gott auch hier spürbar sein kann. Ich muss dafür nicht für ein paar Tage ins Kloster gehen, muss nicht aufs Land ziehen oder auf den Berg gehen. Ich könnte es tun, weil dort natürlich Gott auch zu finden sein wird, aber ich muss nicht.

So habe ich vor ein paar Wochen begonnen, nach dem oben verlinkten Buch vorzugehen. Zuerst bin ich zwei Wochen lang jeden Tag eine Stunde auf meinem Balkon gesessen und habe die Natur in unserem Innenhof genossen. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das so abwechslungsreich sein würde. Nicht an jedem Tag zirpen die Grillen gleich wie am anderen. An manchen Tagen biegen sich die Pappeln im Wind und an anderen Tagen tanzen nur ein paar kecke Blätter. An manchen Tagen regnet es und an anderen fliegen viele Vögel herum. Auch habe ich bemerkt, dass das Schauspiel je nach Uhrzeit ein anderes ist. Wundervoll, wenn der Mond aufgeht oder sich hinter den Pappeln versteckt oder wenn die Sonne ihre letzten Strahlen schickt. Ich hätte mir nicht gedacht, dass mein Platz am Balkon wie einer im Theater sein würde und die Natur eine Bühne.

Insgesamt gibt es zehn Übungen, die man – nacheinander – macht. Jede Übung dauert – soweit ich bisher weiß – zwei Wochen. Wenn man jeden Tag eine Stunde, oder eineinhalb, in so einer Stille verbringt, dann wirkt sich das auf das restliche Leben aus. Wie – darf jede/r für sich herausfinden. ;)

Kärntner Landesausstellung – 500 Jahre protestantisches Abenteuer

Ich möchte auf die Landesausstellung in Fresach, zum Thema „glaubwürdig bleiben – 500 Jahre protestantisches Abenteuer“ hinweisen. Wer in nächster Zeit in Kärnten ist, sollte sie sich anschauen.

Der Protestantismus ist in Kärnten sehr verbreitet. So hat es mich umso mehr gefreut, als ich von der Landesausstellung in meinem „Nachbardorf“ gelesen habe und bin bei meinem nächsten Heimatbesuch hingefahren. Spannend fand ich den Besuch im alten Bethaus und toll war der Trickfilm, den die Volksschüler für die Landesausstellung gemacht haben – viel Arbeit für kleine Kinder. Interessant fand ich die Entwicklung des Protestantismus in Kärnten, vor allem auch die Zeit der Gegenreformation von 1600 bis 1780, in der er als Geheimprotestantismus weitergetragen wurde.

http://www.landesausstellung011.at

Trost

Das habe ich heute auf einem Partezettel gelesen:

 

Unsere Lieben wachsen, wenn sie gegangen sind, in uns hinein,

werden Teil von uns, geben uns ihre Liebe und Kraft.

Und am Ende bewahren wir sie unsichtbar in uns.

 

wachsen

in der stille

kommt zur blüte

was leben will

 

der dünger

ist die inspiration

durch andere gärtner

„Er allein“

Die Stille lockt mich seit gut zwei Monaten. Stille bedeutet für mich, dass ich bei mir bin, spüre, was mich bewegt und wohin es mich zieht (oder nicht zieht) und dass ich dem folge. Das ist leicht, denn diese Lebendigkeit in mir ist überzeugend. Und manchmal ist es nicht leicht, wenn ich unangenehme Dinge tue, wie zB jemanden zurückweise, weil mir etwas zu viel geworden ist.

Stille bedeutet, dass ich mich nicht mehr „so nebenbei“ berieseln lasse – sei es von Radio, Fernsehen oder Internet.

Stille bedeutet, dass es stille Zeiten im Tag gibt, in denen ich wirklich still werde und meditiere.

Stille bedeutet, dass ich so präsent wie möglich bin.

Stille ist eine Frage der Übung.

Stille ist auch beängstigend. Denn was kommt, wenn nichts kommt? Für kurze Zeiten ist das kein Problem, eher eine Lust. Aber für einen längeren Zeitraum habe ich mir das schwer vorstellen können. Es hat sich ein Rhythmus entwickelt, ich schlafe mehr, wodurch ich wacher bin. Aus mir kommt mehr. Mehr Ideen, mehr Gedanken, mehr Ruhe. Ich konzentriere mich auf meine wesentlichen Rollen im Leben, überlege mir, wie ich mein Muttersein gestalten will, spüre meiner Beziehung nach, meinen Freundschaften und wohin es mich beruflich zieht…  Ich habe Lust, mich dem Leben anzuvertrauen und es zu gestalten. Ich habe auch Lust zu schlafen und mich auszuruhen, Spaß zu haben, mich zu unterhalten… Aber ich habe keine Lust mehr, herumzuhängen oder Zeit auf eine sinnlose Weise zu vertrödeln.

Ausgelöst hat diesen Wandel ein Satz im Johannesevangelium, eigentlich nur ein Teil davon. „(Als Jesus nun erkannte, dass sie kommen und ihn ergreifen wollten, um ihn zum König zu machen,) zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein.“ (Joh, 6, 15) – „Er allein“ hat mich sehr bewegt und mich in die Stille geführt.

Knospen

Als ich mein Innen
nicht mehr
von außen
füllte
bemerkte ich
eine Knospe

Noch eine.
Und mehrere.

Als aus den Knospen
mein Garten
entstanden war
verstand ich
dass Stille
nicht Tod
sondern Leben
hervorbringt

Tauf- und Glaubensbekenntnis

Bist du bereit, in der Kraft des Heiligen Geistes das Böse durch das Gute zu überwinden?

Ich bin dazu bereit.

Bist du bereit, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung Sorge zu tragen und dafür einzutreten?

Ich bin dazu bereit.

Bist du bereit, in der Freiheit der Kinder Gottes zu leben?

Ich bin dazu bereit.

Bist du bereit, den Weg des Glaubens in der Gemeinde mitzugehen, einander anzunehmen, zu achten und beizustehen?

Ich bin dazu bereit.

Glaubest du an Gott, dessen Abbild du bist, der dich liebt, wie du bist und durch den dein Leben sinnvoll ist und an Tiefe und Fülle gewinnt?

Ich glaube.

Glaubst du an Jesus Christuns, auserwählt von Gott, geboren von einer Frau namens Maria, der Menschen zuhörte und sie liebte, der in ihren Häusern war, der über das Reich Gottes mit ihnen sprach, der Jüngerinnen und Jünger hatte, die im nachfolgten und unterstützten?

Ich glaube.

Glaubst du an den Heiligen Geist, der in dir sich sehnt, dich zum Leben in Fülle zu erwecken?

Ich glaube.

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