Geburt – Taufe: Ein Segen

Der gute Gott segne dich:
Er lasse dich nie deine Wurzeln vergessen,

tief in  Seinen Grund gelegt.

So wirst du immer eine Heimat haben

und dich nicht so leicht verlieren,

wenn Stürme des Lebens dich erschüttern.

Er segne das Wachsen deines Herzens und lasse

es weiter werden für eine Welt, die oft eng und

unbarmherzig ist und auch den Unfrieden kennt.

Er lasse dich Freunde finden,

die mit dir Licht und Schatten teilen,

die mit dir barmherzig sind und gerecht,

damit du erfährst, wie das Leben gelingt.

Er rette deine Zartheit und schütze sie davor, zu

zerbrechen an der Härte des Lebens.

Er schenke dir das Brot, das du täglich brauchst,

helfende Hände, die dich heilen,

und einen Engel, der dich begleitet

über die Brücken und in die Tiefen des Lebens.

Er lasse dich Geschmack finden am Wasser der

Taufe und an Seinem Wort, das uns erzählt von

Jesus,

dem großartigen Menschen aus Nazaret.

Der menschenfreundliche Gott sei mit dir,

der dich liebt und dessen Name heißt:

Gott-mit-uns,

an allen Tagen deines Lebens. Amen.

(Herbert Jung)

Gaben-Gebet

Heute hatten wir in der altkatholischen Kirche dieses Gabengebet:

Guter Gott, den Ertrag unserer täglichen Arbeit bringen wir symbolisch in Gestalt von Brot und Wein zum Altar. Wandle unsere Gaben, damit unser Leben voll werde, so wie einst das Netz der Jünger. Amen.

Das ist an sich nicht so ein überragend origineller Text, aber er ist mir trotzdem sehr nahe gegangen. Es geht um den Teil “den Ertrag unserer täglichen Arbeit bringen wir”. Ist es so? Bringe ich denn tatsächlich meine tägliche Arbeit, mein tägliches Leben vor Gott? Erwarte ich auch noch, dass es verändert wird?

Mir ist aufgefallen, dass ich das sehr gut trenne: meine tägliche Arbeit und den Gottesdienst. Ich arbeite viel, unter der Woche. Und dann gehe ich in die Kirche, und ich denke zwar manchmal im Gebet an die Arbeit, aber ich bringe sicher nicht meine tägliche Arbeit zu Gott.

DA habe ich das Gefühl, das habe ich selbst gemacht, selber machen müssen – oft ist es auch schwer, es selber machen zu müssen. Ich arbeite, und klar weiß ich, dass Gott in mir ist, dass Gott der Teil in mir ist, der all diese guten Dinge tut und sagt. Aber glaube ich das auch?

Aber es geht ja auch noch weiter. Wir bringen die Gaben, die werden verwandelt und dann bekomme ich es – verwandelt – wieder. Ich bekomme mein Leben verwandelt wieder. Glaube ich das? Ich bin zur Kommunion gegangen und habe mir gedacht, ich bekomme also meine Arbeit wieder von Gott zurück, er nimmt sie mir nicht ab, er verspricht nur, dass wir gemeinsam sie machen können, wenn ich will. Ich bekomme die Zusage, nicht alleine zu sein. Das klingt gut.

Kohelet 3,1-8

Ich war letztens in der Frauenliturgie in Mariatrost, und da haben wir uns mit der berühmten Stelle von Kohelet beschäftigt: Alles hat seine Zeit. Wir sind dabei eingeladen worden, den Text mit eigenen Gedanken zu ergänzen. Das habe ich gemacht, es war sehr spannend, das zu tun. Das Original aus der Bibel in gerechter Sprache ist in schwarz geschrieben, meine Ergänzungen dazu in kursiv und rot.

Für alles gibt es eine Zeit.

Zeit, zu umarmen und Zeit, das Umarmen zu meiden.

Zeit, mich der Umarmung zu entziehen und Zeit, mich umarmen zu lassen.

Zeit zu töten und Zeit zu heilen.

Zeit, mich töten und Zeit, mich heilen zu lassen.

Zeit zu trauern und Zeit zu tanzen.

Zeit, mich zu schämen und zu verstecken und Zeit, mich stolz zu zeigen.

Zeit zu lieben und Zeit zu hassen.

Zeit, mich hassen und Zeit, mich lieben zu lassen.

Alles hat Gott schön gemacht zu seiner Zeit.

Wünsche für das neue Jahr

  • Möge dann und wann

deine Seele aufleuchten im Festkleid der Freude.

  • Möge dann und wann

deine Last leicht werden und dein Schritt beschwingt, wie im Tanz.

  • Möge dann und wann

ein Lied der Freude aufsteigen vom Grunde deines Herzens.

  • Möge dann und wann

der Himmel über deine Schwelle treten.

Ende und neuer Anfang

Die Zeit zwischen den Jahren bietet sich an für eine Rück- und eine Vorschau. Ich habe das Jahr in Quartale geteilt und schaue, was ich getan habe. Was war voriges Jahr wichtig, Im Jänner/Feber/März ? Was war später wichtig? Was hat mich beschäftigt? Was war schwer? Was war leicht? Was hat mir Freude gemacht? Helfen tut mir dabei mein Tagebuch, ein bisschen meine Blogs, aber auch mein Terminkalender. Mit wem war ich zusammen? Was habe ich unternommen? Wie viel habe ich gearbeitet? Acht Tage wird mich das Thema beschäftigen. Vier Tage im alten Jahr, an denen ich die vier Quartale durchgehe und vier Tage im neuen Jahr wo ich schaue, was das nächste Jahr bringen wird.

Angesichts dessen, dass wir meine Großmutter ins Krankenhaus bringen haben müssen und dass sie sehr krank ist, ist mir wieder bewusst geworden, wie plötzlich alles ganz anders werden kann, wie wertvoll das Leben ist. Und ganz großmäulig habe ich behauptet, ich möchte mutig leben. Das hat genauso lange angehalten, bis ich festgestellt habe, dass nächstes Jahr Dinge anstehen, von denen ich noch nicht weiß, wie sie gehen werden. ;) Kurzzeitig war ich besorgt und mein Mut war etwas geschwunden. Aber dann: Es ist gut, nicht so genau zu wissen, was kommt, nur ein paar Eckpunkte zu haben und den Rest herankommmen zu lassen. In der Rückschau kann ich sagen, dass mein letztes Jahr reich war. Es hat ein paar Eckpunkte gegeben, die ich vorher wusste und vieles, dass mein Leben bunt gemacht hat, von dem ich keine Ahnung gehabt habe. Ich werde zu Silvester mein Jahr Gott zurückgeben können und um viele Erfahrungen, Erlebnisse, Begegnungen, Geschichten reicher in das neue Jahr gehen.

zwischen den Jahren

Diese Zeit des Jahres war früher als Zeit “zwischen den Jahren”  bekannt. Das Jahr war offiziell mit Weihnachten zu Ende, das neue Jahr fing am 1. Jänner an. Die Tage dazwischen – und vor allem die Nächte – waren besonders. Die Nächte sind als Rauhnächte bekannt, in denen die “wilde Jagd” voller Geister, Teufel und Werwölfe unterwegs war.

Ich mag diese Tage “zwischen den Jahren”: das alte Jahr ist mehr oder weniger gelaufen, und das neue hat noch nicht begonnen. Es ist eine Zeit, in der ich innehalte und schaue. Auf die vergangene Weihnachtszeit, auf das vergangene Jahr, auf das Leben, das ich geführt habe bis jetzt. Es ist eine Zeit zur Orientierung: wie lebe ich, wie will ich leben, was ist mir wichtig, lebe ich gemäß meinen Werten?

Ich halte den Atem an und lausche. Lausche nach innen und außen. Vor allem in der Nacht. Die Nacht mit ihren Geräuschen (und ich kann mir gut vorstellen, dass man, wenn man abgeschieden irgendwo in der Einsamkeit wohnt und der Eiswind um das Haus streicht, sich alles mögliche da draußen vorstellen kann!), die Nacht aber auch mit ihrer Stille. Und ich lausche nach innen, auf die Stimmen in mir: die schnelle, die sehr streng ist und urteilt, die laute, die nach kurzfristiger Befriedigung schreit und die leise, die mich in eine Richtung zu lenken versucht.

Ich lausche zwischen den Jahren. Ich höre auf die Zeit, die vergeht. Ich belausche die Jahre. Ich höre der Vergänglichkeit zu. Ich lausche. Zwischen den Zeiten, zwischen den Jahren, zwischen den Tönen. Und ich glaube, dass Gott in mein Lauschen mit leiser Stimme spricht.

frohe Weihnachten

Liebe LeserInnen,

wir wünschen Euch frohe Weihnachten!

Danke, dass Ihr unser Blog besucht, lest und manchmal mit uns Eure Gedanken teilt.

Wir wünschen uns, dass das auch in Zukunft so bleibt!

24. Dezember: Gott in meiner Mitte begrüßen

Und heute ist es so weit: Weihnachten. Wir haben darauf gewartet, gehofft oder gebangt. Heute ist es da. Wir feiern, dass Gott in die Welt gekommen ist, dass Gott ein Mensch geworden ist, dass Gott unter uns ist. Die Erfahrungen, die wir in diesem Advent gemacht haben, sind genau in diese Richtung gegangen: ich will erleben, spüren, bewusst haben, dass Gott bei mir ist, jeden Tag. Dass Gott nicht jemand ist, der als Herrscher  über den Wolken thront sondern eine Kraft ist, die mir tagtäglich zur Seite steht. Immer da, ständig bei mir, bei den banalsten Dingen meines Lebens anwesend.

Ich nehme mir heute einen Augenblick Zeit, Gott dort zu begrüßen, wo ich sie/ihn erlebt habe: in meiner Mitte. Ich nehme mir Zeit, vielleicht in einem Augenblick, in dem ich “Stille Nacht, heilige Nacht” höre oder selbst singe, innerlich still zu werden und in mir diesen Ort zu begrüßen, an dem Gott anwesend ist.

Gott ist zur Welt gekommen, um bei mir zu sein. Ich bin Bethlehem, weil Gott in mir zur Welt gekommen ist. Und ich bin Bethlehem, weil ich Gott die Möglichkeit gebe, mit der Welt in Kontakt zu treten. Ich bin Gottes Möglichkeit, mit der Welt in Verbindung zu sein und die Welt ist meine Möglichkeit, mit Gott in Verbindung zu sein. Und der Umschlagpunkt dieser Begegnungen ist in mir drinnen, in meiner Mitte.

Ich lade euch ein, immer wieder die Weihnachtslieder, die ihr singt oder hört mit diesem Wissen zu hören: das Kind ist in mir geboren. Ganz still können wir werden, und heilig sind wir, weil wir Wohnstätte Gottes in dieser Welt sind.

“Stille Nacht, heilige Nacht. Alles schläft, einsam wacht nur das traute hochheilige Paar. Holder Knabe im lockigen Haar: schlafe in himmlischer Ruh!”

Frohe Weihnachten!

23. Dezember: schlafen gehen

Und dann gehe ich schlafen. Gestern habe ich das Abendritual in den Blick genommen, heute geht es um dieses: ich lasse mich einschlafen. Was mache ich noch, wenn ich im Bett bin, wenn das Licht aus ist? Wie leicht fällt es mir, mich in den Schlaf sinken zu lassen? Wie möchte ich mich hinlegen? Auf den Bauch, den Rücken, die Seite? Alleine in meine Decke gewickelt oder an jemanden drangekuschelt? Schlafe ich bei Licht ein oder ist es dunkel? Ganz dunkel oder gibt es Licht, das von draußen hereinfällt?

Und dann lasse ich mich in den Schlaf sinken. Ich erlaube meinem Bewusstsein, mich langsam zu verlassen. Manchmal streifen noch wirre Gedanken durch meinen Kopf, dann sinke ich ins Traumbewusstsein.

Und heute Nacht ist noch etwas anders: “Morgen, Kinder, wird´s was geben!”. Und: “nur noch einmal schlafen!” Noch eine Nacht trennt uns von der Weihnacht, dem 24. Dezember. Einmal noch gehen wir schlafen – was heißt das? Fürchte ich mich vor morgen, freu ich mich drauf, bin ich gespannt, erwartungsvoll oder denke ich an morgen als einen Stress, bei dem ich froh sein werde, wenn es vorbei ist?

Mit all diesen Gedanken der Erwartung an Weihnachten schlafe ich heute ein. Wir können nicht bewusst einschlafen, aber wir können uns bewusst fallen lassen in diesen Schlaf, können die Gedanken loslassen und uns der Nacht und ihrer Erholung anvertrauen.

“Morgen, Kinder, wird´s was geben, morgen werden wir uns freu!

Welch ein Jubel, welch ein Segen wird in unserm Hause sein!

Einmal werden wir noch wach, heissa, dann ist Weihnachtstag!”

In diesem Sinne: gute Nacht!

“das gottbegabte Menschenkind”

Ich habe letztens hier dieses Glaubensbekenntnis aufgeschrieben, und ich hänge immer noch daran. Die Sätze gehen mir nach. Im Moment beschäftigt mich:

“Und an Jesus Christus, das Gotteskind,

von Maria zur Welt gebracht.

Das gottbegabte Menschenkind hat mit Brüdern und Schwestern gelebt,

sie geheilt und aufgerichtet.”

Das gottbegabte Menschenkind – wer ist das? Jesus, sicher. Aber nur er? Ein gottbegabtes Menschenkind bin ich auch, sind wir alle. Auch ich bin von einer Frau geboren, zur Welt gebracht, ich habe mit Brüdern und Schwestern gelebt – heile ich sie und richte sie auf? Wäre das nicht auch ein Auftrag für mich: heilen und aufrichten? Und darum bemühe ich mich, besonders in dieser Zeit um Weihnachten herum: ich will aufrichten und heil machen, will Bedingungen schaffen, dass ich und andere heil werden können, um dann in der heil-igen Zeit der Weihnacht, in der heil-igen Nacht ernsthaft miteinander feiern zu können. Und welche Zeit ist nicht heil-ig? Es bleibt also nicht bei der Weihnachtszeit, es geht immer weiter. Dann wird man auch von mir eines Tages sagen können:

Das gottbegabte Menschenkind hat mit Brüdern und Schwestern gelebt,

sie geheilt und aufgerichtet.