Seit dem Frühling lockt mich die Stille, und dabei habe ich dieses Buch entdeckt:
Ich gehe davon aus, dass Gott hier ist, in meinem Alltag in der Stadt, in meinem Leben mit Auto, Handy, Internet und Fitnesscenter und dass Gott auch hier spürbar sein kann. Ich muss dafür nicht für ein paar Tage ins Kloster gehen, muss nicht aufs Land ziehen oder auf den Berg gehen. Ich könnte es tun, weil dort natürlich Gott auch zu finden sein wird, aber ich muss nicht.
So habe ich vor ein paar Wochen begonnen, nach dem oben verlinkten Buch vorzugehen. Zuerst bin ich zwei Wochen lang jeden Tag eine Stunde auf meinem Balkon gesessen und habe die Natur in unserem Innenhof genossen. Ich hätte mir nicht gedacht, dass das so abwechslungsreich sein würde. Nicht an jedem Tag zirpen die Grillen gleich wie am anderen. An manchen Tagen biegen sich die Pappeln im Wind und an anderen Tagen tanzen nur ein paar kecke Blätter. An manchen Tagen regnet es und an anderen fliegen viele Vögel herum. Auch habe ich bemerkt, dass das Schauspiel je nach Uhrzeit ein anderes ist. Wundervoll, wenn der Mond aufgeht oder sich hinter den Pappeln versteckt oder wenn die Sonne ihre letzten Strahlen schickt. Ich hätte mir nicht gedacht, dass mein Platz am Balkon wie einer im Theater sein würde und die Natur eine Bühne.
Insgesamt gibt es zehn Übungen, die man – nacheinander – macht. Jede Übung dauert – soweit ich bisher weiß – zwei Wochen. Wenn man jeden Tag eine Stunde, oder eineinhalb, in so einer Stille verbringt, dann wirkt sich das auf das restliche Leben aus. Wie – darf jede/r für sich herausfinden.