Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.
Rabindranath Tagore
Dumme rennen, Kluge warten, Weise gehen in den Garten.
Rabindranath Tagore
“… oder leidet, bring es behutsam an seinen Platz zurück und versetze es sanft in die Gegenwart deines Herrn. Und selbst, wenn du in deinem Leben nichts getan hast, außer dein Herz zurückzubringen und wieder in die Gegenwart unseres Gottes zu versetzen, obwohl es jedes Mal wieder fortlief, nachdem du es zurückgeholt hattest, dann hast du dein Leben wohl erfüllt”
Franz von Sales
Es ist Unsinn
sagt die Vernunft
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist Unglück
sagt die Berechnung
Es ist nichts als Schmerz
sagt die Angst
Es ist aussichtslos
sagt die Einsicht
Es ist was es ist
sagt die Liebe
Es ist lächerlich
sagt der Stolz
Es ist leichtsinnig
sagt die Vorsicht
Es ist unmöglich
sagt die Erfahrung
Es ist was es ist
sagt die Liebe
(Erich Fried)
alles schmerzt sich einmal durch bis auf den eignen grund
und die angst vergeht
schön die scheune die nach längst vergangnen ernten
leer am wegrand steht
(Jan Skácel)
Markt und Straßen steh’n verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.
An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein steh’n und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.
Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!
Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schnees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen -
O du gnadenreiche Zeit!
Joseph Freiherr von Eichendorff
Das habe ich heute auf einem Partezettel gelesen:
Unsere Lieben wachsen, wenn sie gegangen sind, in uns hinein,
werden Teil von uns, geben uns ihre Liebe und Kraft.
Und am Ende bewahren wir sie unsichtbar in uns.
Wir glauben dem einen Gott,
dem phantasievollen Schöpfer des Universums,
mütterlich und väterlich liebend,
Ursprung und Bewahrer allen Lebens.
Wir glauben unserem Gott!
Ist es so, glaube ich diesem Gott? Glaube ich ihm, dass er phantasievoll ist, dass er Schöpfer, Schöpferin dieser Welt ist? Diese Welt zu erschaffen, immer neu zu erschaffen, beinhaltet auch: Erderwärmung, Katastrophen, Kriege, Krebs und andere Krankheiten, Hunger und Tod.
Wie kann ich diesem Gott glauben, dass er mich väterlich und mütterlich liebt? Uns alle liebt. Wie kann einer, der den Tod schafft auch Ursprung und Bewahrer allen Lebens sein?
Ich verstehe nicht viel davon, aber ich versuche, zu glauben, dass ich ein Teil Gottes bin. Und in mir ist alles vorhanden: Gutes und Schlechtes, Leben und Tod. Ich kann gleichzeitig lieben und verstossen. Ich darf nicht alle Verantwortung auf einen Gott irgendwo da draußen abgeben: ich bin Gott bedeutet, es hängt von mir ab. Gott hat sich mir in die Hand gegeben, Gott kann nichts, was ich nicht mache.
So komme ich zur nächsten Frage: kann ich mir selbst glauben, kann ich, können die Menschen MIR vertrauen, dass ich es gut meine mit ihnen, mit mir, mit der Welt? Kann ich also tatsächlich sagen:
Ich glaube mir, phantasievolleren Schöpferin des Universums, mütterlich und väterlich liebend, Ursprung und Bewahrerin allen Lebens. Ich glaube mir. Amen.
Auf einem Partezettel habe ich gestern einen schönen Spruch entdeckt.
I bin so miad
und lahn mei Sensn zuan Bam,
drumt wants ma nit noch,
bin hiats beim Herrgott daham.
Die alten Meister sagen:
“Alltag ist der Weg.”
Manche Menschen
verstehen das so,
dass man auch im Alltag
seinen inneren Übungsweg
verfolgen solle.
Das sagen die alten Meister
aber nicht.
Sie sagen:
“Alltag ist der Weg.”
Wie kann man dann
fürchten,
der Alltag könnte
einen vom Weg abbringen?
Alltag selbst
ist selbst der Weg.
Dieser mein Alltags-Augenblick
er allein,
ist der Weg.
aus: Silvia Ostertag, Stille finden und daraus leben – Impulse für den Alltag, Herder spektrum
Auch wenn das Buch, aus dem ich das folgende Gedicht entnommen habe, schon 25 Jahre alt ist, ist es lesenswert. Das zeigt, dass es 26. Mal wieder aufgelegt wurde, was ein beeindruckender Erfolg ist und vermutlich einer, den man nicht planen kann. Ich mag Andrea Schwarz Art zu schreiben und zu denken und da ich gerade mit dem Kindchen besonders viel am Boden sitze und Gänseblümchen bewundere, habe ich ebendiese zu schätzen gelernt.
Gott
du bist ein Gänseblümchen-Gott
du lebst
ihre Philosophie
du drängst dich nicht auf
bietest dich an
du bist da
wo Leben ist
bist unausrottbar
über Jahrtausende hinweg
blühst immer wieder
von neuem
trotz alledem
und wider alle Resignation
Zärtlich
stehst du den Menschen im Weg
sie stolpern über dich
müssen sich bücken
um dich zu finden
du, der mächtige große Gott
macht sich gänseblümchenklein
aus: Andrea Schwarz: Ich mag Gänseblümchen