Fastenkalender am 4. April: Auferstehung

Die eine: Zuerst habe ich mich verlassen gefühlt, einsam und allein. Ich war verzweifelt und habe nicht gesehen, wie es gut werden soll. Ich habe diesen unangenehmen Zustand zugelassen, ein bisschen wissend und ein bisschen hoffend, dass irgendwas kommen wird, ein Gedanke, überbracht durch einen lieben Menschen oder vielleicht einfach von mir selber.  Ich habe eine Situation verändern können oder vielleicht ist das auch gar nicht nötig gewesen und dann ist es wieder gut geworden. Auferstehung findet nicht nur nach dem Sterben statt, sondern auch mitten im Leben. Es gehört zum Lebendigsein.

Die andere: Und dann ist es doch immer wieder überraschend: es wird wieder gut! Ich habe gelitten, ich habe gewartet, es war unheimlich schwer – und dann auf einmal geht etwas auf: die Sonne, eine Erleuchtung, eine Lebendigkeit. Das ist Auferstehung. Frohe Ostern und eine gute Auferstehung, immer wieder neu!

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Fastenkalender am 3. April: Warten

Die eine: So oft bin ich ungeduldig, ich mag nicht warten, ich will alles haben, und sofort. Dabei können die wichtigsten Dinge des Lebens nicht beschleunigt werden – da muss ich warten, bis es so weit ist. Eine Schwangerschaft kann nicht beschleunigt werden, eine Entwicklung nicht, ein Prozess nicht, und auch das Sterben nicht. Das lehrt mich Demut: ich muss mich dem Leben unterordnen, nicht umgekehrt.

Die andere: Warten kann ich gut und schlecht. Manchmal bin ich ungeduldig und will die Dinge sofort haben. Und in manchen Fallen kann ich vertrauensvoll sein und warten, bis geschieht, was geschehen soll.

Fastenkalender am 2. April: Verlassenheit

Die eine: “Mein Gott, warum hast du mich verlassen?” fragt Jesus am Kreuz. Ich fühle mich auch oft so: von Gott und den Menschen verlassen. Meistens erkenne ich dann später, dass ich es war, die die anderen verlassen, die mich auch selbst verlassen hat. Wenn ich mich zurückziehe, fühle ich mich verlassen. Wessen Schuld ist das dann?

Die andere: Kein angenehmes Gefühl, wenn ich mich verlassen fühle. Ab und zu kommt das vor. Eigentlich denke ich, dass es einen Punkt in mir gibt, den niemand erreichen kann. Das heißt, ich warte, weil ich weiß, dass es von selber wieder gut wird.

Fastenkalender am 30. März: Erdverbundenheit

Die eine: Mutter Erde! Bedenkt, oh Mensch, du bist aus Erde und wirst zur Erde zurückkommen, in den Schoß, aus dem du bist. Das ist eine Frohbotschaft: mein Körper ist zwar in dieser, momentanen Form vergänglich, aber der Stoff, aus dem ich bin, lebt seit Ewigkeiten schon und wird für alle Zeit sein: mein Körper ist auf eine Art unsterblich!

Die andere: Wenn ich zB Tomatenpflänzchen setze, sie hege und pflege, bis ich die Früchte ernten kann, dann fühle ich mich sogar auf meinen Balkon im 2. Stock erdverbunden. ;) Ich mag es, in der Erde zu graben, was zu säen und zu beobachten, wie es wächst und wächst und Früchte trägt.

Fastenkalender am 29. März: Ruhen

Die eine: Es tut gut, hin und wieder ganz bewusst eine Ruhezeit einzuplanen: ein paar Minuten am Tag, einen Tag in der Woche, ein paar Tage im Jahr. Zur Ruhe zu kommen ist die Voraussetzung dafür, in mich zu gehen und dort das zu finden, was im Moment für mich dran ist.

Die andere: Manchmal denke ich mir, ich habe keine Zeit, ich muss noch das und das erledigen, ich kann jetzt nicht eine Pause machen und nach innen schauen. Aber das stimmt so nicht. Es ist immer mittendrin, es bleibt immer was liegen. Es ist nie alles getan. Das heißt: Man muss sich diese Zeit einfach nehmen.

Fastenkalender am 28. März: Verantwortung

Die eine: Ich finde, wir haben der Welt gegenüber eine große Verantwortung. Wir werden sie eines Tages verlassen, aber wir geben sie unseren Kindern weiter. Wir sollten gut mit ihr umgehen, sonst werden wir unserer Verantwortung nicht gerecht. Und diese Einstellung muss sich in meinem täglichen Leben sehen lassen, sonst ist sie nur ein Lippenbekenntnis. (siehe auch: Liebe)


Die andere: Ich mag das Wort nicht so gerne, weil der Vorwurf der Verantwortungslosigkeit oft benutzt wird, um jemandem ein schlechtes Gewissen zu machen.

Verantwortung zu übernehmen bedeutet, dass ich “das Richtige” tue, auch wenn ich keine Lust dazu habe. Es heißt zB, dass ich in einer Auseinandersetzung auf meine/n StreitpartnerIn zugehe, auch wenn er/sie mich durch ihr Verhalten gar nicht dazu motiviert. Ich mache es, weil ICH eine gute Beziehung haben will.

Fastenkalender am 27. März: Liebe

Die eine: Die Liebe ist kein “Erlebnisbad”, in der es vor allem darum geht, Spaß zu haben und tolle Dinge zu erleben. Das ist alles auch schön, aber das ist ein zu kleines Maß für die Liebe. Liebe bedeutet, sich um das zu kümmern, was dem Menschen, den ich liebe, gut tut, was er braucht, was sie will. Zur Not auch gegen die eigenen Interessen. Weil da beweist sich dann, ob ich jemanden wirklich liebe oder ob es mir hauptsächlich darum gegangen ist, dass es mir gut geht.

Die andere: Jemanden zu lieben heißt für mich, jemandes Wert zu schätzen und ihn/sie zu fördern, in dem was er/sie tut oder tun will. Ich finde, Liebe verlangt  Ehrlichkeit. Ich muss sagen, was ich denke und ich will die Meinung meiner Lieben (meistens ;) ) gesagt bekommen. So darf mein Mann mir Sachen sagen, für die ich jemand anders verjagen würde ;) , und unsere Beziehung wird keinen Schaden erleiden, im Gegenteil. Zur Liebe gehört auch die Vertrautheit. Zu wissen, wie jemand tickt, es nicht auszunutzen, und sich selber auch zu zeigen – das gibt schon viel Kraft im Leben, finde ich.

Fastenkalender am 26. März: Selbstvertrauen

Die eine: Selbstvertrauen heißt, dass ich mir vertraue, dass ich die Situationen, die auf mich zukommen, meistern kann. Mein Selbstvertrauen wandelt sich von Situation zu Situation, ist manchmal größer und manchmal bescheidener.

Die andere: Ich weiß gar nicht, was noch so alles in meinem Leben geschehen wird, aber ich kann mich darauf verlassen, dass ich immer irgendwie einen Weg finden werde, damit fertig zu werden. Manchmal gleich, manchmal erst etwas später, manchmal brauche ich auch wirklich ewig lange dafür. Aber: ich finde immer einen Weg. Das bedeutet für mich, mir zu vertrauen.

Fastenkalender am 25. März: Vergebung

Die eine: Ich glaube, ich vergebe vor allem, wenn ich drum gebeten werde. Ob es möglich ist oder einen Sinn hat zu vergeben, wenn der/die andere uneinsichtig ist und nicht darum bittet? Ich glaube nicht. In so einem Fall würde ich meine Situation von der anderen Person unabhängig machen und annehmen, was geschehen ist. Sicher würde so der Groll leichter werden, mit der Zeit wohl weggehen. Ich würde nicht mehr wichtig finden, was war.

Manche Dinge müssen nicht vergeben werden und das ist in Ordnung so. Einen Druck zu machen, dass zB ein Opfer von Gewalt dem Täter vergeben muss, halte ich für schrecklich. Am Seelenheil ändert sich fürs Opfer nichts, wenn es nicht vergibt. Viel wichtiger als Vergeben finde ich, dass man das, was war, annehmen kann.

Die andere: Es ist ziemlich schwer, mir zu vergeben. Es würde bedeuten, mich anzuschauen, meine Schuld und Unschuld zu unterscheiden und das alles zu respektieren. Dann müsste ich mich mir liebevoll zuwenden und sagen, dass es gut ist. Ich müsste es “gut sein lassen” – siehe gestern. Das fällt mir nicht leicht, wie gesagt.

Fastenkalender am 24. März: (Los)lassen

Die Eine: Loslassen ist modern. Dauernd will ich wo was loslassen. Und da bin ich draufgekommen, dass es darum, unter Umständen, gar nicht (immer) geht. Ich muss nicht meine Tendenz, es schwer zu nehmen, loslassen. Das fällt mir schwer, das schaffe ich kaum. Aber ich kann, und das geht leicht, meine Tendenz, es schwer zu nehmen, leicht nehmen. ;) Ich kann mich distanzieren, ich kann darüber lachen!

Meine Gedanken gehen momentan dahin, dass ich das, was mich aktuell beschäftigt, annehmen muss. Ich wage mich ins Leben und bejahe dabei meine innere Zerrissenheit, meine Fragen und Unsicherheiten, mein Sorgenmachen, mein Misstrauen, meine Empfindlichkeiten…. All das ist Teil von mir, es erleichtert mein Leben nicht, aber der Versuch, diese Dinge loszuwerden, wird mein Leben vermutlich auch nicht erleichtern. Also versuche ich mit einer wohlwollenden Haltung mir selbst und allen meinen Anteilen gegenüber, auch den misstrauischen, hysterischen, unsympathischen, schwierigen, ängstlichen…. durchs Leben zu gehen.

Aber es gibt auch Dinge, die ich loslassen kann. Alte Dinge, die ich gewohnheitsmäßig glaube, ein altes Selbstbild in dieser und jener Angelegenheit. Diese loszulassen macht manchmal nur die Mühe, dass ich mir bewusst mache, dass dies und jenes noch da ist und schon wandelt es sich in was Neues. Meine Erfahrung ist bisher, dass das vor allem bei solchen Dingen möglich ist, die eh schon fast nicht mehr da sind.

Die andere: Ich finde ja, “du musst etwas loslassen” immer sehr schwierig. Das geht meistens genau gar nicht. Ich finde es leichter, etwas “gut sein zu lassen”. Ich lasse es, und ich heiße es gut. Das gelingt mir dann besser.

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